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November 11

Rettet Gagnante

Rettet Gagnante!

 

Nach vielen vergeblichen Bemühungen, unternehme ich hiermit den letzten Versuch, mein Traumpferd, das ich vor fast 10(!) Jahren in die Vereinigten Staaten exportierte, endlich wieder in unsere Heimat nach Deutschland zu holen. Leider habe ich nicht viel Glück bei all meinen anderen Versuchen gehabt und hoffe sehr, dass ich mit Hilfe interessierter und tierliebender Mitmenschen meine geliebte Stute nach Jahren der Trennung in meine Arme schliessen kann.

 

Als ich Gina, wie sie damals hieß, kaufte, tat ich das vor dem Hintergrund, sie in den USA wieder zu verkaufen. Ich wollte sie nicht behalten, sondern hatte mich ziemlich ausführlich mit dem Pferdemarkt beschäftigt, und hatte eine Idee von dem Pferd, das Amerikaner suchten …

Es sollte sehr hübsch sein, eher feingliedrig und nicht groß. Ein gutes Pedigree konnte auch sehr hilfreich sein, man konnte aber nicht davon ausgehen, dass sich die Amerikaner so intensiv mit der Hannoveraner Zucht auseinander gesetzt hatten, wie deutsche Pferdeliebhaber. Ich sah sie und merkte, dass sie die obigen Kriterien erfüllte und ritt sie ein paar Mal zur Probe. Sie war extrem brav, nachdem sie tagelang (!) in der Box gestanden hatte, war sie nur ein wenig schnell unterwegs. Sie konnte das Gleichgewicht auf dem linken Zirkel partout nicht halten und hatte herrliche Gänge, die leicht zu sitzen waren. Der Umgang war kinderleicht. Ich kaufte sie im Mai 1997 und mein Wallach, der in dem gleichen Stall stand, und nach USA überführt werden sollte, verliebte sich sofort in sie. Ich hatte sie nach Anweisung in getrennte Paddocks gestellt, er sah sie und flog in hohem Bogen über eine aus Rohr bestehende Abtrennung von ca. 1,70m Höhe!

 

Der Überflug war für uns drei problemlos, ich konnte mich die ganze Zeit um sie kümmern. Es war ein unvergessliches Erlebnis, mit einer Sauerstoffflasche vom Cockpit der Cargomaschine zu den Pferden zu gehen. Der Überflug hatte meine gesamte Erbschaft meines Großvaters verschlungen, aber ich wollte Deutschland unbedingt verlassen und alles mitnehmen, auch den Wallach, den ich nach dem Tod meiner Mutter zu 2/3 geschenkt bekommen hatte.

 

Nach einigen Wochen Eingewöhnungszeit, begann ich mit der weiteren Ausbildung, meist nur nach meinem Gefühl. Einen richtigen guten Ausbilder nach deutschem Standard habe ich in Arkansas leider nicht gefunden. Später fuhr ich ab und zu mal nach Oklahoma, ein für deutsche Verhältnisse eher umfangreiches Unterfangen. Dreieinhalb Stunden pro Trip und Übernachtung auf der Couch bei meiner Reitlehrerin, die mir dann zwei Stunden Reitunterricht für damals je 40 Dollar gab. In unserem Bundesstaat gab es nur ein einziges Turnier im Jahr, und einmal gingen wir auch zu einer so genannten Schooling Show, ähnlich einer Vereinsmeisterschaft. Der Standard ist um ein vielfaches geringer als in Deutschland, aber es war trotzdem eine schöne Erfahrung mit meinen beiden Pferden dort antreten zu dürfen. Wir zählten zu den erfolgreichsten Paaren nicht nur in Arkansas. Ich wollte gerne noch in anderen Bundesstaaten antreten, was mir auch gelang. So waren wir auch in Oklahoma, wo ich zum damals an einem Wochenende zum  erfolgreichsten Amateurreiter ausgezeichnet wurde. Tennessee und Texas waren auch dabei, in letzterem hatten wir uns für die Regional Championships qualifiziert. Der Weg dorthin betrug pro Fahrt 11 Stunden: Für deutsche Verhältnisse unvorstellbar. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich allein mit Pferd mit Wagen und Anhänger durch einige größere Städte fuhr, versuchte, das Fahrzeug zu lenken, die Straßenschilder und Umleitungen auch über größte in beachtlicher Höhe befindliche Kreise und Überführungen zu beachten und sicher anzukommen. Leider reichte es letztendlich dann doch nicht zu einer Platzierung, aber das Erlebnis war schon toll. Es war eine der wenigen Veranstaltungen, bei der meine Nationalität nicht ausschlaggebend war, normalerweise konnten an den großen Leistungsschauen immer nur Amerikaner teilnehmen, eine schizophrene Thematik, wo doch viele Amerikaner eigens zur Turnierteilnahme und Erfahrung samt Pferd nach Übersee gesendet wurden, im eigenen Land aber nicht gegen oft bessere ausländische Reiter nicht antreten brauchten, sollten, wollten oder durften!?

 

Im Dezember 1999 zog ich allein nach Kalifornien, in nur vier Tagen mit zwei Pferden, ohne Bargeld oder Telefon und  kam ich nach einer Strecke von 3310 Meilen an meinem Ziel an. Auf die Leistung bin ich heute noch stolz, wie schwierig das teilweise war, kann man kaum beschreiben. Eine Nacht im Motel, mit zwei Pferden im Hänger und einer Katze im Auto….der Hund bei mir im Bett …

Der Urin der Pferde lief morgens über den Parkplatz und ich fuhr danach mehr oder weniger ohne Pause nach Nordkalifornien. Die Katze büchste eines Nachts aus, und versteckte sich in der Finsternis auf der Hinterachse des Fords. An Tankstellen tränkte ich die Pferde und den Hund, die Katze war längst in einen allgemeinen Streik getreten …Der Hund passte immer ganz prima auf die paar Habseligkeiten auf, und ließ niemanden auch nur in die Nähe des Gespanns. Auf der Ladefläche befanden sich das Heu und die Wasserkanister, ein bisschen Kraftfutter. Leider war es mir aus Kostengründen nicht möglich gewesen, ein Quartier für jede Nacht auf unserer Strecke von Süden nach Norden zu finden, und so musste ich  mich dafür entscheiden, mehr oder weniger in vier Tagen die Strecke durchzufahren. In einer Stadt gab es dann auch keine Unterkunft, weil durch irgendeine populäre Sportveranstaltung keine Zimmer mehr erhältlich waren, obwohl ich so dringend eines gebraucht hätte. Morgens um Fünf machte ich dann endlich Pause, in einer Gegend, die ich  für sicher empfunden hatte, am Rande der Stadt. Manche Ereignisse sind mir jetzt noch nicht ganz geheuer …Als der Wallach sich im Heu verfangen hatte, und sich fast die Fessel durchtrennte, die Stute natürlich auch ganz nervös wurde und ich irgendwo in der Steppe mit zwei wild gewordenen Pferden stand, die natürlich auch wieder aufgeladen werden mussten. Oder als man ohne einen entsprechende Erlaubnis gar nicht Pferde durch den Staat transportieren durfte, bzw. Wiegestationen hätte anfahren müssen. Meine Unwissenheit machte es aber glücklicherweise nicht schwerer, als es ohnehin schon war, da wir nicht angehalten wurden. In Arizona hatte ich Angst, nicht mehr ausreichend Sprit zu haben, und meine Hoffnung wurde immer kleiner, nicht stehen zu bleiben, den Staat mit seiner so wunderbaren Landschaft, den Canyons im Sonnenauf- und Untergang passieren zu können. Aber wir kamen an… Völlig erschöpft, aber wir hatten es geschafft.

 

Nach der meiner Erinnerung nach zwei Wochen dauernden Quarantäne, konnte ich die Pferde auf einem Militärgelände mit Halle und Reitplatz, eigenen Paddocks und Weiden unterbringen. Es ist die einzige Basis so weit mir damals bekannt ist, auf der man mit Pferd über die Runway gehen darf, auf der die größten Transportmaschinen der Welt, die Galaxy C5 (dort passt sogar ein kleiner Panzer hinein) und unzählige Transalls zu Übungsflügen und weltweiten Einsätzen starten und landen.

 

 

Lange Zeit hielt ich die Pferde dort, obwohl ich mal wieder keinen geeigneten Reitlehrer fand, oder wohl es auch eher keinen gab.

Als ich von der Zuchtveranstaltung durch eine Bekannte hörte, zögerte ich erst, aber sie schien überzeugter als ich von einem erfolgreichen Abschneiden. Viel Geld investierten wir in die Teilnahme und die zwei Tage, die wir dort unsere Pferde zeigten, werde ich nie vergessen. Und auch nicht, den unglaublichen Erfolg, den ich mit der Stute Gagnante hatte. Ich hatte sie schon während unseres Arkansasaufenthalts umgenannt, Gina war viel zu nichts sagend. Gagnante sollte ausdrücken, dass sie mein Herz als Stute gewonnen hatte und dann auch noch diese viele Erfolge auf den Turnieren… Ich wollte sie unbedingt behalten….* Erfolge….*

 

Nachdem ich die Privilegien einer Angehörigen des US-Militärs nicht länger nutzen konnte, zogen wir aufs Land, ein deutscher Reitlehrer gab mir Unterricht, der Preis betrug damals schon 80 Dollar pro Stunde!

So schafften wir es, bis zum 2. Level - vergleichbar mit einer LEICHTEN L-Dressur im deutschen System - erfolgreich platziert zu werden.

 

Nach zwei Jahren erfolgloser Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz, und dem damit verbundenen ausreichenden Einkommen, brach ich schweren Herzens meine Zelte in einem der schönsten Gegenden der Welt ab. Wer mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium und jahrelanger Auslandserfahrung, einem BA in Business Economics und diversen Auszeichnungen verschiedener Handelskammern nur Arbeitsstellen bekommt, bei denen es auf denen es auf Stundenbasis nur Entlohnung auf dem Niveau von High School Absolventen gibt, und nur mit 7 (!) Jobs parallel und mit weniger als vier Stunden zusammenhängenden Schlafs auf ein ausreichendes Einkommen gelangt, wird meine Entscheidung nachvollziehen können. Mit Hund und Katze und einem großen Koffer bin ich dann von San Francisco nach Hannover geflogen, um in Deutschland  mein altes, neues Leben zu beginnen. Auch wenn es manchmal sehr schwierig zu sein scheint, so ist das Leben für mich im allgemeinen doch um vieles leichter und besser als in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die weil es doch so viele sind, eher zu begrenzenden Möglichkeiten werden.

 

Vor meiner Abreise, habe ich meinen Wallach verkaufen müssen, ein Geschenk meines Vaters und damaligen Mannes nach dem Tod meiner Mutter. Meine Stute habe ich mit viel viel Aufwand von dem Hengst Contender der Iron Spring Farms dank einiger Versuche und dem teueren Aufenthalt direkt beim Tierarzt tragend bekommen. Ich ließ sie bei Leuten, die seinerzeit zu meinen guten Bekannten zählten. Heute, nach unzähligen ganz finsteren Emails und Bedrohungen, Beschimpfungen und anderem wird die Stute äußerst schlecht versorgt. Ich habe sie noch einmal besuchen können, und war schockiert über ihre Verfassung. Noch nicht einmal ihre Nüstern hatte man vom Schmutz und Dreck befreit, obwohl mein Besuch nicht unangekündigt war. Sie wurde gebissen und nie bewegt. Ich zahlte jahrelang einen wie ich finde horrenden Preis für die Unterbringung (275 Dollar pro Monat) bei der jedes Mal die Übergabe (!) an den Hufschmied mit 15 Dollar zu bezahlen war. Das gibt vielleicht einen kleinen Eindruck, was man von diesen Leuten halten kann …

Nur einen Alternative war nicht in Sicht, wie soll man auch ohne echte Freunde ein Pferd von A nach B bekommen, wenn dieses in den USA untergebracht ist, und der Besitzer Tausende von Kilometern entfernt lebt? Jeden Tag hatte ich ein schlechtes Gewissen, aber machen konnte nichts. Abends lag ich traurig im Bett, hatte so oft und fast täglich an sie gedacht, dieses wunderbare und für mich einzigartige Pferd. Ob sie wirklich noch am Leben war? Wie es ihr wohl ging, wie sie aussah? Hatte sie Narben, Bisse, Verletzungen, hatte sie noch das Augenlicht? Ich musste mit allem rechnen. Ich bin vor Sorge bald krank geworden. Am einfachsten war es immer, diese Gedanken zu verdrängen, aber ich die Sorgen wurden immer größer, ich fühlte mich immer schlechter, immer verantwortungsloser, wer war ich nur? Das war nicht ich, diejenige, bei der die Tiere immer zu erst kamen, wenn das Geld knapp war, dann kaufte ich erst Futter, dann füllte ich den Kühlschrank auf, erst gab es Futter für Hund und Katze am Morgen, dann kam der Kaffee für mich …Ich machte mir größte Vorwürfe, ich hasste mich fast wegen dieser Angelegenheit.

 

Ich hatte nicht das Geld, mich vor Ort um eine bessere Unterkunft für sie zu bemühen, oder sie am besten gleich mit nach Hause zu nehmen. Meine Hoffnung, das wunderschöne Fohlen, es lebte genau drei Wochen und war für mich das schönste kleine Pferdewesen, was je das Licht der Welt erblickte, verkaufen zu können, um den Transport der Mutter zu ermöglichen, erfüllte sich nicht. Gagnante’s Fohlen starb unter mysteriösesten Umständen, oder ob es je wirklich starb und man mir nur einfach diese Nachricht hatte zukommen lassen, um es für sehr viel Geld hinter meinem Rücken zu verkaufen? Ein Hannoveraner Fohlen, egal welcher Abstammung und welchen Körperbaus, oder Grundgangarten brachte mindestens 10.000 Dollar ein, das war das absolute Minimum. Wie ich erfuhr, litt die Stute fürchterlich, nur wie konnte ich das alles möglichst schnell zu einem positiven Ende bringen?

 

Da ich in Deutschland jahrelang auf ein Darlehen hinarbeiten musste, hat es bis jetzt gedauert, bis ich wenigstens fast alles bezahlen konnte. Nun weigert sich die Bank, das Darlehen weiter zu erhöhen, und mir fehlt jegliche Möglichkeit das traurige Dasein der Stute zu beenden. Ich kann nun weder die monatlichen Stallgebühren bezahlen, noch kann ich mich um einen Rückflug inklusive Reimport bemühen. So kostet die Stute jeden Monat mind. 300 Dollar, die ich im Moment nicht tilgen kann. Dieses Geld ist aber absolut schlecht angelegt, bei Leuten, die sich so gar nicht kümmern und nur an ihr Geld denken. Es wäre natürlich das Beste, wenn sie lieber heute als morgen bei mir wäre, dann würde natürlich diese Ausgabe entfallen. Es wäre das schönste Weihnachtsgeschenk meines Lebens, wenn ich hier auf diese Weise Leute finden würde, die mein Vorhaben unterstützen und mit deren Hilfe ich die Stute zurück nach Deutschland holen könnte.

 

Ein ehemaliger Arbeitskollege hat mir mit seiner ersten Spende in Höhe von 100 Euro schon sehr viel Mut gemacht. Ich hoffe, wir können es gemeinsam schaffen, Gagnante wieder zurück zu mir zu bringen, damit sie die letzten Jahre ihres Lebens wieder Freude und Genugtuung erfährt. Vielleicht zeigt sie dann doch noch ein bisschen Dressur oder Springen, lässt wieder Kinder auf sich reiten oder ängstlichste Erwachsene, vielleicht wird sie noch ein Fohlen haben, das sie glücklicher als je zuvor werden lässt.

 

Für diejenigen, die mich bei meinem Vorhaben unterstützen möchten, kann ich mich sicher nicht so bedanken, wie ich es gerne möchte, oder wie Ihr/ Sie es verdient. Ich weiß nur, dass ich unendlich dankbar sein werde, sollte ich es tatsächlich schaffen, sie wieder umarmen zu können und sie auf meiner Weide sehen zu dürfen….  

Für genau diejenigen, habe ich mich um ein Spendenkonto bemüht, dass ich hier somit bekannt gebe. Für Fragen stehe ich natürlich gerne unter nzdietz@hotmail.com zur Verfügung.

 

Natürlich wäre es ganz toll, wenn Sie/Ihr auch anderen Interessierten von mir berichten könntet. Jeder Cent hilft, dieses Pferd zu retten.

 

Natascha Dietz

Verwendungszweck GINA

Volksbank Hankensbüttel-Wahrenholz eG

Bankleitzahl 25791516

Kontonummer 507777000

Von außerhalb Deutschlands:

BIC GENODEF1HKB

IBAN DE66257915160507777000

 

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